Mittwoch, 14. Januar 2009

Der Untergang des Freistaates!

Im Moment bin ich in Adelaide, South Australia. Die Stadt ist schoen, jedoch fuer ihre groesse erstaunlich ruhig. Plaene, hier eine Arbeit zu finden werden wohl erstmal vertagt werden muessen. Im Hostel habe ich ein paar Maedels kennengelernt, die mich heute mit zu einem Ausflug ins gut 20 min entfernte Hahndorf, der aeltesten deutschen Siedlung in Australien, genommen haben.
Siehe da, es ist wirklich sehr deutsch, es erinnert fast ein wenig an Worpswede oder Fischerhude. Kleine Fachwerkhaeuser die wie an einer Perlenkette an einer Ahorn und Eichenalee liegen. Einige deutsche Fahnen sowie kleine Laeden machen einen grossteil des Dorfbildes aus.
Neben dem deutschen Baeker, der Sourdough Bread verkauft, also gutes deutsches Graubrot gibt es auch einen deutschen Gasthof das 'German Arms Hotel'. Waffen sucht man vergebens, lediglich ein deutscher Granatwerfer der im Ersten Weltkrieg erbeutet wurde steht gut 100 entfernt auf einem Platz. Das Restaurant verstroehmt ansonsten gute Wirtshausatmosphaere, wenn man mal von der hyperaktiven Kellnerin, die weder Bestellungen aufnimmt noch Essen serviert einmal absieht.
Bestellen musste man so an der Bar, unter anderem auch die Getraenke.
Die seltsam anmutenden deutschen Gerichte, "German Wurst Trio" um nur eines zu nennen, veranlassten mich, es doch lieber mit dem "German Giant Hot Dog" zu probieren.
Dazu sollte es ein frisch gezapftes Franziskaner Weissbier sein. 7$ fuer ein kleines und los ging das unfassbare Schauspiel. Die Bardame nahm ein Beck's Pilsglas aus dem Regal und fuellte es mit dem goldgelben Gerstensaft. Ich wollte noch schreien, aber es war zu spaet. Naja, dachte ich, vielleicht haben sie keine anderen Glaeser und bevor ich mich in typisch deutscher Manier am anderen Ende der Welt ueber die Missachtung einiger grundsaetzlichen Regeln aufrege, nehme ich es gelassen und trinke ein Muenchener Hefeweizen eben aus einem Bremer Pilsglas. Ein Oxymoron wie es selbst Goethe, seineszeichens jedoch Weinsaeufer, in keinem Gedicht besser haette formulieren koennen.
Nach dem ersten Schluck wurde mir jedoch klar, wieso es ueberhaupt unterschiedliche Bierglaeser gibt, denn das Franziskaner schmeckte einfach nur schlecht. Seifig und wie aus der Flasche.
Als ich nochmals zur Bar ging um eine Kanne Wasser fuer meine Begleiterinnen und mich zu besorgen erspaehte ich das Unfassbare. Ein kleines Hefeweizenglas, aus meiner Zeit im Paulaners Biergarten zu Bremen wohlbekannt.
Sofort stellte ich die Bardame zur Rede:
"Why did you gave me the wheat beer in a pilsener glas when you got wheat beer glasses?"
"Well, that's a small one?!?"
"I know, I ordered a small one"
"Does it make a difference? I mean both are made out of glass!"
"It's not about the material, it's about the shape!!" (Do this in Germany and you'll be killed, argh!)
"Okey, okey, bring it back and I'll give you a new one"

Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich in einem Restaurant ueber das Servierte beschwert habe. Ich belaechele nach wie vor diejenigen, die meinen ihre Cola zu warm oder mit zu viel Eis serviert bekommen zu haben, aber dieses mal musste ich mich unter sie mischen.
In einem deutschen Dorf, das explizit mit deutscher Kultur, sprich Bier wirbt sollte es moeglich sein, ein Weizenbier in einem Weizenglas zu servieren, grade wenn diese Griffbereit im Regal stehen, anstatt es lieblos in ein Beck's Pilsglas zu fuellen.
Letztenendes ist es eben dennoch nur ein Plagiat mit dem man versucht asiatische Touristen anzulocken und ihnen echte deutsche Kultur vorzugaukeln.
Dazu erinnerte es mich hier an einen kurzen Dialog mit dem Loewenbraeu Geschaeftsfuehrer in Sydney:
"Paulaners in Bremen? What do they serve there? Fish?"
"Nope, Kangaroo Steak, like you do..."

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Festtage in Sydney

Ueberall wo man hinguckt haengen golden und rote Christbaumkugeln, unendlich Lametta und Lichterketten zieren die Strassen und aus jeder Ecke dudeln Weihnachtslieder. In Einkaufslaeden sind monstroese Weihnachtsbaeume aufgestellt und jeder rennt mit einer roten Zipfelmuetze rum. Doch irgendetwas stimmt nicht. Das Thermometer zeigt gute 28Grad, man schwitzt und an jeder Strassenbiegung wird Eiscreme verkauft - es ist Sommer. Ein eigenartiges Gefuehl. Irgendwie ueberhaupt nicht weihnachtlich. Doch was solls, wir sind in Australien, also Sonnenbrille auf, Badehose an und ab gehts!

Gestern Nachmittag, am Christmas Eve, sind Sebi und ich durch die Strassen und Gassen hier in Sydney gezogen, haben uns selbst Geschenke gekauft (Calvin and Hobbs Buecher!!) und delikat bei Subway gespeist. Gegen Abend sollte dann noch gefeiert werden. Zurueck zum Campingplatz, schickes Hemd an, zurueck in die Stadt, einer wildfremden Gruppe aus Menschen angeschlossen die aus einem uns bekanntem Hostel kamen, dadurch freier Eintritt und unmengen Freibier in einem wunderschoenem Club namens World Bar. Spaet Nachts ordentlich das Tanzbein geschwungen und frueh Morgens nach diversen Umwegen lagen wir dann auch wieder in unserem Zelt. Der Christmas Day wurde dann auch fleissig ausgenutzt. Wir haben bis knapp 17 Uhr geschlafen (:
Spaeter am Abend wieder losgezogen mit dem Ziel deutsch zu Abend zu essen. Urspruenglich wollten wir zum Loewenbraeu, doch das hatte schon geschlossen? Also doch keine original Roestkartoffeln mir Schnitzel. Auch als wir dann an der sogenannten "Fressmeile" am Darlinghabour langschlenderten, hatten die meisten Restaurants geschlossen. Fast am verzweifeln und mit einem riesen Loch im Magen haben wir dann aber doch noch ein wunderschoenes Restaurant direkt am Wasser gefunden. Es gab Lachs fuer Sebi und eine Pizza fuer mich! (: 
Insofern hatten wir hier einen gemuetlichen Weihnachtstag, der nicht ganz so verlief wie wir es eigentlich gewoehnt sind, aber trotztdem schoen war!
In diesem Sinne.

Merry Christmas

Dienstag, 23. Dezember 2008

Maennerurlaub auf Fraser Island!

Nachdem wir die New Horizont die uns sicher durch die Inselgruppe der Whitsundays gesegelt hat verlassen haben sind Jascha und ich mit zwei weiteren Klabautermaennern nach Sueden aufgebrochen und waren schon am naechsten Morgen in Hervey Bay, dem 'Gateway to Fraser Island'
Soenne und Mo, unsere neuen Weggefaehrten haben sich dort ein Zelt gekauft, da es in unserem Mitsubishi Pajero dann doch ein wenig eng wurde. Fuer insgesamt 200 $ haben wir uns die Parkgebuehren fuer drei Tage und vier Personen sowie die Faehrtickets gekauft und noch am selben Tag uebergesetzt. 
Neben unserem betagten Japaner standen nagelneue Landrover und Landcruiser die zum grossen Teil vom feinsten ausgestattet waren. 
Dann mal los. 
Auf der Insel selbst war der Kompressor fuer den Reifenluftdruck kaputt und so sind wir mit hoellisch viel 40 PSI zum lake MacKenzie gefahren. 
Grade die ersten Meter gingen ueber ziemlich hohe Sandhuegel, die mit Gummimatten stabilisiert wurden, aber es wurde noch besser. Es gibt einen Inselbus, der uns natuerlich genau jetzt auf den einspurigen Sandwegen entgegenkommen musste. Der Regel nach muessen kleinere Fahrzeuge den groesseren Platz machen, da sie wendiger sind. Gesagt getan, ab in eine Nothaltebucht und mit noch mehr Schwung wieder hinaus. 
Nachdem wir den wunderschoenen Lake McKenzie besucht und gebadet hatten sind wir nach Eurong, quasi der groessten Stadt auf Fraser Island gefahren und natuerlich sofort auf den Strand.
Jascha zimmerte ordentlich aufs Gas und nach einer 180 Grad Wende um einen pinken Toyota Landcruiser (da sind bestimmt Maedchen drin!!!) zu verfolgen haben wir die erste bekanntschaft mit den sogenannten 'Washouts' gemacht. Jascha konnte noch runterbremsen, aber dennoch sind wir mit ziemlich in die Prilaehnlichen Flussmuendungen am Strand hineingerauscht. 
Zur Feier des Tages haben wir den Wagen fast festgefahren und konnten nur mit der niedrigsten Uebersetzung, Allradantrieb und viel Schwung wieder ins rettende Eurong zurueck. 
Dort dachten wir dann, das wir das Auto geschrottet haben, denn beim kurvenfahren blockierte immer das jeweils kurveninnere Hinterrad. So etwas wie "Sperrdifferenzial, muss so sein" kannten wir damals noch nicht. 
Am naechsten Tag wurde es dann sportlich! 
Nach weiteren Besuchen an mehreren Seen haben wir uns dazu entschieden den 70 Mile Beach mit 80 Sachen gen Norden zu nageln, was Jascha freundlicherweise uebernahm. Washouts ausgewichen und sonst froehlich den 160 Pferde in den 6 Zylindern die Sporen gegeben. Verbrauch im Schnitt: 30 Liter. Links und Rechs Dingos, die am Strand wild herumlaufen. 
Einmal haben wir die Tiefe eines Washouts unterschaetz und standen nach einem kleinen Rumms bestimmt einen guten Meter tief im Salzwasser. Motor aus und Auspuff voll Wasser. Nachdem wir aber den Zuendschluessel beherzt gedreht und mit Kraft und einem Sprung aufs Gaspedal den Auspuff freigepustet hatten ging es weiter. Bevor wir die Insel verliessen, sahen wir noch einen der besagten Busse am Strand. Festgefahren und das ganze Touripack ohne Klimaanlage am Strand stehend und schwitzen. 
Gaaanz langsam sind wir an dieses Schauspiel herangefahren, elektrische Fenster runter, und wie die Queen persoenlich winkend und Mitterlfinger erntend in Zeremoniegeschwindigkeit vorbeicruisend gen Faehre gefahren.  
Obwohl wir dachten, dass unser betagter Mitsubishi, der danach seltsam Wackelte und ein Lenkspiel von gut 5 Fingern aufwies, hat er uns noch bis nach Sydney getragen wo wir ihn fuer 3200 Dollar verkauft haben. 
Damit hat er seinen Zweck mehr als erfuellt gehabt.

Samstag, 29. November 2008

Aprikosenplfuecken im Granite Belt

Nachdem ich mich hier eine ganze Weile nicht mehr gemeldet habe, kommt nun ein neuer Eintrag. Wir haben fast den ganzen November in Stanthorpe, einem Ort gut 200km westlich von Brisbane verbracht, um unsere Reisekasse beim Fruitpicken ein wenig aufzufuellen. Gearbeitet haben wir auf einer Aprikosen und Nektarinenfarm die gut 30km von unserem Campingplatz entfernt in relativ grosser Einoede zu finden war. Die letzten Meter gingen ueber eine Outbackpiste, die mit Wasserbarrieren in Form von Erdwaellen gespickt war. Wirklich gut waren die nur mit unserem Pajero zu bezwingen, Jaspers Auto hat, egal was man an fahrerischen Kniffen aus der Trickkiste holte, immer aufgesetzt. In Stanthorpe selber ist nicht wirklich etwas zu tun. Eine Ampel, einen haufen hoechst seltsamer Leute und viele Farmen drumherum. Einen Abend haben wir ein paar Probleme mit Locals gehabt, denen war wohl langweilig und uns sicher auch. Also hat man sich ein bisschen gerieben und ist dann von dannen gezogen. Ansonsten haben wir jeden morgen Kangarus auf dem Weg zur Arbeit gesehen und uns fest vorgenommen eines anzufahren um guenstig anbein paar Steaks fuer das Abendessen zu kommen. Was in Deutschland als Wilderei verboten ist, interessiert hier niemanden. Ein Kanguru haben wir nicht angefahren, aber dafuer einen Papagei der, bevor er ueber die Strasse geflogen ist, wohl nicht richtig geschaut hat. Er steckte dann den Rest des Tages von uns unbemerkt zwischen unserem Kangarufaenger und dem rechten Blinker. Immerhin haben wir ihn dann aber anstaendig begraben. Ein paar Federn als Trophae musste er dennoch lassen. Sonst kann man in Stanthorpe noch gut Angeln, Enno und Jasper haben sich ein paar Angeln gekauft und hatten sogar ein paar mal Erfolg.
Ein hoechst zweifelhaftes Erlebnis bezueglich des Spasses hatten wir, als Jasper 'vergessen' hatte zu tanken und wir mitten im Outback ohne Sprit stehen geblieben sind. Gluecklicherweise hatten wir einen Arbeitskollegen, der uns mit Sprit aushalf, aber als der Wagen nicht ansprung und wir einen Mechaniker 'konsultierten', fanden wir heraus, dass die Kraftstoffpumpe defekt ist. Da half nur noch Abschleppen. Also zurueck zum Campingplatz, den Pajero angeworfen und Jaspers Auto in der Daemmerung ohne laufenden Motor und somit ohne Servolenkung und quasi nicht funktionieren Bremsen ueber die teils huegelige Outbackstrasse zu einem Mechaniker geschleppt. Fuenf Stunden spaeter, 50$ fuer Pizza, 30$ fuer einen Kasten Bier fuer den hilfsbereiten Kollegen sowie letzenendes 200$ Reparaturkosten rundeten das Erlebniss auch fuer unseren Geldbeutel ab. Fuenf Dollar haetten gereicht um genug Sprit zu haben um nach Haus zu kommen.
Sonst waren wir viel Feiern, grade weil das Wetter sehr schlecht war und mit der Zeit formte sich eine kleine Gemeinschaft der Backpacker, die auch alle auf Obstfarmen arbeiteten. Einmal ging es sogar nach Surfers Paradise, um dort am 'Schoolies', quasi den australischen Abifahrten teilzunehmen. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, obwohl sehr viel Polizei unterwegs ist und Trinken in der Oeffentlichkeit 75$ kosten kann. Wahlweise kann man auch das teuer gekaufte Bier vor den Augen der Ordnungsmacht auskippen. In Deutschland ein Kulturgut, in Australien eine quasi verbotene Substanz. Das tut weh.
Nachdem wir unsere Arbeit in Stanthorpe beendet haben, sind wir zu einer Gastfamilie gefahren, bei der wir ziemlich verwohnt werden und als Ausgleich beim Bau der Poollandschaft ca. 1-2 Stunden am Tag helfen. Soweit so gut, Weihnachten wird am Strand gefeiert und Silvester melde ich mich aus Sydney.

Montag, 13. Oktober 2008

Auto fahren in Australien

Mittlerweile haben wir 1500 km auf australischen Strassen zurueckgelegt und ich bin mir eines umfassenden Urteils immer noch nicht sicher.

Die ersten Meter waren sehr spannend, Linksverkehr und unbekannte Strassen in Sydney.

Dazu die geballte Kraft von mehr als 150PS die ihren Sprit aus sechs 3 Liter Troegen saufen. 13 Liter plus. "Natuerlich", moechte man sagen, "solch ein grosses Auto braucht nunmal Sprit". Trotzdem ist es ungewohnt, denn in Deutschland bin ich mit 3 Litern sehr gut ausgekommen... Psychologisch und so.

Weiter kommen fuer uns deutsche Verkehrsrambos hoechst seltsame Regeln im Kreisverkehr, die es hier zuhauf gibt, hinzu. Je nachdem ob man die erste Ausfahrt, geradeaus oder die dritte Ausfahrt nimmt muss man links, gar nicht oder rechts blinken. Dieser Regelung unbewusst wurden wir auch recht bald nach einem Kreisverkehr von einer australischen Streife angehalten, die uns freundlich darauf hin wies, was wir falsch gemacht haben.
Mittlerweile laeuft es aber alles super und man faehrt so sicher wie in Deutschland auch. Bis es aber soweit war, haben wir einige brenzlige Situationen gemeistert. Unter anderem notorisch rasende Farmer, die jede Kurve auf der Ideallinie fahren und im schlimmsten Fall ihr Fernlicht permanent an haben. So wird das befahren von kurvigen Bergstrassen zur Lotterie bei der wir bis jetzt jedes mal zumindest den Trostpreis abgeraeumt haben.
Weiter gibt es hier in Australien auch mal Steigungen sowie Gefaelle und damit verbundene Kurven zu meistern, was man in Bremen als Autofahrer gaenzlich vermisst. Ich erinnere mich dann immer daran, dass die B6 von Bremen nach Cuxhaven einer einspurigen Autobahn gleichkommt, bei der man lediglich eine handvoll sehr langer Kurven auf dem Weg zu seinem Ziel hat. Die hoechste Steigung die man zu ueberwinden hat ist die Dorfein - bzw. ausfahrt Altenwaldes von geschaetzt 20 Metern auf 300 Metern Strecke.
Wildwechsel gibt es nur in Form von Koalas sowie ein Wallaby, das gestern unseren Weg kreuzte. Bis jetzt haben wir nur bereist ueberfahrene gesehen und hoffentlich bleibt es dabei, denn ein Tier mit unserem Jeep zu erwischen stelle ich mir alles andere als lustig, fuer beide Parteien, vor.

Dienstag, 7. Oktober 2008

Interkulturelle Verstaendigung mit historischem Hintergrund oder Israelis beim Wwoofen

Vor zwei Tagen sind zwei Israelis, ein Mann und eine Frau mitte zwanzig angekommen.
Das kennenlernen war recht holperig, wir entdeckten ihr Auto auf dem Hof und schon bald kamen sie uns entgegen. Erste Fragen wurden gestellt, wer wir seien, ob der Jeep uns gehoere und so weiter und so fort. Als Jascha vorschlug, dass wir am Abend ja gemeinsam kochen koennten, wurde das dankend abgelehnt, man wuerde sein eigenes Essen kochen.
Recht schnell stellte sich heraus, dass die Israelin (Hadar) nur 'Kosheres' isst und dies eben nach einer speziellen Zubereitung verlangt. Trotzdem sassen wir am Abend alle gemeisam in der Wwoofers Kitchen und hoerten uns an, was 'Kosher' eigentlich bedeutet und wie etwas 'Kosher' wird. Wieder was gelernt.
Ich bin immer etwas zurueckhaltend und vorsichtig bei Reisenden aus Israel. Nein, es ist kein negatives Vorurteil, welches ich hege, aber letztenendes ist die Beziehung zwischen Deutschen und Israelis nicht immer die beste gewesen und genauso wie es unverbesserliche und ewiggestrige Nazis in Deutschland gibt, gibt es sicher auch einige Israelis, deren Bild eines Deutschen untrennbar mit Uniform und Hakenkreuzen verbunden ist. Als ehemaliger Geschichts - LKler ist mir darueber hinaus auch einiges aus der Geschichte beider Laender im Gedaechtnis geblieben und so freute es mich umso mehr, dass wir bis zum heutigen Tag nicht ein! Wort ueber Nazis, KZ, Schuld oder Unschuld verloren haben.
Trotzdem wurde es am zweiten Tag politisch. Als wir mit Zohar, dem Israeli alte Bretter entnagelten, kamen wir auf den Israel-Palestina Konflikt zu sprechen. Es stellte sich heraus, dass er Panzerfahrer war. Genaugenommen Panzergrenadier, zum Nachladen und Abfeuern des Rohres zustaendig. Fuer fuenf Jahre. Weiter erzaehlte er, dass er schon viele Kampfeinsaetze gehabt hat und einmal ueber eineinhalb Wochen im Panzer gefangen war, weil seine Einheit von Palaestinensern eingekesselt war. Da bekommen die Bilder aus dem Fernseher eine ganz andere Bedeutung, fast schon ein Gesicht. Seine Meinung ueber den Konflikt: Er wird niemals enden, es sei denn eine der beiden Parteien existiert nicht mehr, was sicher nicht so schnell passieren wird. Letztenendes ist es fuer mich ungeheuer spannend, dass kaum eine Generation her, Deutsche Juden auf bestialischste Art und Weise die niemals vorher in diesem Ausmass existierte toeteten und wir heute, 70 Jahre spaeter, nebeneinander stehen, zusammen arbeiten, essen und diskutieren ohne die Geschichte zum Gegenstand unseres Verhaeltnisses zu machen. Vielleicht haben wir aber einfach zu viel Angst davor, dieses heisse Eisen anzufassen.
Mit Hadar verstehe ich mich sehr gut, wir sitzen oefters am Pool, waehrend Jascha und Matani wie achtjaehrige im Wasser tollen, und tauschen uns ueber Reiseziele, Autounfaelle, erste Fahrerfahrungen und weitere Vorhaben in Australien aus. Auch wir haben uns ueber den Konflikt unterhalten und kamen auf den hohen Wehretat Israels. Ich habe ihr erzaehlt, dass wir in Deutschland grade dabei sind, die Armee immer kleiner und somit mobiler sowie schlagfaehiger zu machen. "We don't need a big army anymore. We're surrounded by friends!"
Sie antwortete darauf: "Surrounded by friends, that's hard to imagine. I wish we would be surrounded by friends!"

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Byron Bay - Hippi Hort und Oeko Village

Endlich kommt nun der Blogeintrag ueber Byron Bay, dem oestlichste Punkt Australiens an dem wir uns seit mittlerweile zwei Wochen aufhalten.
Nachdem wir unser Auto in Sydney fertig gemacht hatten sind wir Nachmittags um Zwei nach Norden aufgebrochen. Stilecht ueber die Harbour Brigde, seltsamerweise ohne Maut zu zahlen. Egal, mit unserem Strafzettel ueber 91$ haben wir bereits genug Geld in die oertlichen Strassenbaumassnahmen investiert.
Nach einem kurzen Stop an einer Tankstelle an der wir Motoroel (15 W 40, suitable for older engines ;) ) und Kartenmaterial erstanden haben sind wir auf dem Pacific Highway nach Norden vorgedrungen. Unser Ziel war Coffs Harbour um dort zu uebernachten und am naechsten Tag nach Byron Bay zu fahren. Wir kamen bis nach Coffs Harbour, assen dort in einem McDonalds zu abend und waren hin und hergerissen, weil der gesamte! McDonalds von einer Maedchenschulklasse besucht war und wir neben irgendwelchen alten Lehrern die wirklich einzigen Jungs waren. Leider waren alle Maedchen ziemlich dick und haesslich, wir haben wirklich keine einzige, nach allgemeinen Massstaeben "gut" aussehende entdecken koennen.
So entschieden wir uns noch in dieser Nacht nach Byron zu fahren und nach weiteren fuenf Stunden fahrt, einer Polizeikontrolle wegen fehlendem Blinken im Kreisverkehr und einem dutzend Kangarus am Strassenrand erreichten wir Byron, welches zu dieser Zeit voll von betrunkenen und nicht mehr zurechnungsfaehigen Jugendlichen bevoelkert war.
Wir schliefen die Nacht im Auto.

Am naechsten Tag riefen wir Jasper an und gluecklicherweise war er grade in Byron. Er nahm uns mit zu seiner Gastfamilie, die auf den Klippen oberhalb von Byron Bay eine Villa besitzt. Natuerlich wollten wir etwas vergleichbares und haben uns von der Gastmutter gleich eine Liste mit potentiellen Wwoofing-Plaetzen geben lassen bevor wir uns entschieden unser Leben aufs Spiel zu setzen.
Zur Erklaerung: Zwischen Klippen und Meer liegt so etwas wie ein Sumpfgebiet mit Mangrovenwaeldern und Buschdickicht. Die Gastmutter meinte, man koenne den Fluss ganz einfach ueberqueren und so mit Surfboard ausgeruestet ein bis zwei Wellen im Meer surfen. Gesagt getan, wir starteten die Expidition. Leider war der Buschwald ziemlich dicht und wir entschieden uns einfach den Fluss bis zur Muendung zu schwimmen, schliesslich wuerden wir so sicher ans Meer kommen. Ausserdem meinte die Mutter, das man im Fluss bis zur naechsten Ortschaft schwimmen kann, wo sich uns im "einzigen Pub im Ort" wieder abholen koenne.
Schuhe, Handtuecher, Papiere und Kamera wurden also auf ein Surfboard gelegt, die anderen als Schwimmhilfe benutzt.
Nach Krokodilen ausschau haltend schwammen wir so bestimmt 4-5 Kilometer im Fluss, machten auf Sandbaenken halt und erfuhren erst bei unserer Rueckkehr, dass Steinbeisser (eine Art Pyranha) Stingrays ( Steve Irwine wurde von einem getoetet) und Blutegel sowie anderes Getier im Fluss haust. Glueck gehabt. Beweisfotos finden sich im StudiVZ

Die Nacht verbrachten wir in der Arts Factory ( http://www.artsfactory.com.au/ ) , einem Hippi Hostel, das seinesgleichen sucht. Geschlafen haben wir in einer alten Baracke, direkt neben einem Indianertipi und einem bunt bemalten, ausrangierten Londoner Doppeldeckerbus. Anyway, besser als das immer noch nicht ausgebaute Auto.
Die folgenden Tage verbrachten wir damit am Strand zu chillen, zu den Mynion Falls zu fahren sowie eine Wwoofing Family zu suchen.
Die Mynion Falls sind wirklich klasse! Eine gute Autostunde von Byron Bay gelegen mitten im Urwald sind es nochmal eine gute Stunde Fussmarsch bis man sich von der Aussichtsplattform bis zum Fuss vorgekaempft hat. Leider haben wir keine Begegnung mit australischen Wildtieren gehabt, nur eine Pulk von Leuten, welcher sich spaeter als Familie heraustellte ueberholte uns auf dem Weg nach unten um dort in das Wasserbecken des Wasserfalls zu springen und dann wieder zurueck zu joggen.
Seit letzter Woche Donnerstag sind wir bei unserer neuen Wwoofing Family. Dort haben wir Martha kennengelernt, die hier ebenfalls Wwooft. Unsere Arbeit besteht vor allem aus Gartenarbeit, sprich Unkraut jaeten und Pflanzen umtopfen sowie einen Holzcontainer ausraeumen, was wir in den letzten Tagen gemacht haben.
Zwei- bis dreimal die Woche kommt die 'Erdmutter' , welche den Garten macht . Eine taffe Gaertnerin, die keine Scheu hat auch mit blossen Haenden im Kompost herumzuwuehlen um auch das letzte bisschen Gutes fuer junge Setzlinge herauszuholen.
An meinem Geburtstag hat mir die Gastmutter einen leckern Schoko- Bananenkuchen gebacken und es wurde Sabbath gefeiert. Mit Kippa und allem drum und dran. Ein schoenes Erlebnis, denn man wurde gleich ein wenig in den Kreis der Familie aufgenommen.
Diese besteht aus Leon, dem Gastvater, Naomi der Gastmutter sowie drei Kindern, Malli, Miriam und Matambi. Matambi, der aelteste mit 12 Jahren kann dank Jascha mittlerweile ziemlich gut auf Deutsch fluchen. Beispiele ueber seinen Wortschatz lasse ich aufgrund meiner beiden Neffen zweiten Grades an dieser Stelle aus. Gruss nach Weinstein! :)
Das Haus ist quasi eine alte Scheune und eingerichtet wie ein Loft. Sprich ein grosser Raum mit allem drin. Entsprechen offen ist auch der Umgang miteinander.
Weiter sind wir so ziemlich jeden zweiten Tag surfen gefahren und kennen jetzt schon so ziemlich alle Spots in und um Byron Bay. Wir bekommen Mengen und Dauerrabatt beim Surfverlei und man ist auf Du und Du. Laeuft wuerde ich sagen.
In den letzten Tagen mussten Jascha und ich dann einen grossen Container voll mit Holz ausleeren. Das nahm insgesammt gut 15 Stunden in Anspruch, was aber auch daran lag, dass das Holz sortiert werden musste und eine gemein gefaehrliche Schlange der Rasse "Nighttiger" von mir entdeckt und mithilfe des Gastvaters gefangen wurde. Ein wirklich schoenes Tier, aber wohl noch relativ ungefaehrlich wie der Gastvater Leon meinte.
In der zweiten Schicht haben Jascha und ich allein gearbeitet. Vergessen waren dort saemtliche Instruktionen die einem bei der Greencard-Vorlesung beigebracht wurden und so arbeiteten wir in bester Staplerfahrer-Klaus-Manier ( http://www.youtube.com/watch?v=NgqeBcdbFJ4 ) weiter und fuhren den Gabelstapler im huckeligen Untergrund fest und nur Leon konnte ihn wieder befreien. Altes Holz, welches nicht mehr zu gebrauchen war wurde von ihm am Abend kurzerhand mit Benzin uebergossen und angezuendet. Waldbrandgefahr?
Unser Auto faehrt immer noch, obwohl wir einem schweren Unfall nur knapp entkommen sind. Ein Kamikaze-Anwohner bretterte mit seinem Jeep so rastant auf der kurvigen Bergstrasse, als es fast zu einem Frontalzusammenstoss in einer uneinsehbaren kurve kam. Ich fuhr bereits ganz links, aber musste nochmals geistesgegenwaertig und mit einer blitzschnellen Reaktion auf den nicht vorhandenen Seitenstreifen ausweichen um einem Unfall zu entgehen. Der Kerl hatte bestimmt mehr als 50 Sachen drauf. + 30 von uns macht 80. Wie das aussieht kann jeder bei einem ADAC Crashtest-Video sehen. Alte Schrottkarre, aber einen guten Fahrer kann nichts entstellen.
Heute haben wir kleine Cross-Motorraeder entdeckt und sind mit ihnen durch den grosszuegigen Garten und umliegende Huegel geheizt. Beim einen Motorrad musste die Kette gespannt werden, was aber dank meiner guten Mechanikerausbildung 'Hust' bei meinem Grossvater kein Problem war. Morgen bauen wir das Bett in den Wagen und werden sehen ob Enno, seine Schwester sowie Franzi + Gefolge es noch rechtzeitig nach Byron schafft, denn bald werden wir aufbrechen und weitere Surfspots, Natur und Land und Leute kennenlernen.